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Ein Blog über Zeilen, Zahnräder und Feuer


#2 – Was definiert eigentlich Steampunk als Buchgenre


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Verfasst am 06. Januar 2026 von Simon van de Loo

#2 – Was definiert eigentlich Steampunk als Buchgenre

Was genau ist eigentlich Steampunk? (im literarischen Sinne)

Steampunk ist nicht einfach nur „Zahnräder auf braunes Leder kleben und hoffen, dass Zylinderhut plus Schweißerbrille automatisch zum literarischen Meisterwerk führen". Sorry, aber wenn deine einzige Antwort auf „Was macht dein Buch zu Steampunk?" lautet „Äh... Luftschiffe?", dann haben wir ein Problem.

Steampunk – im literarischen Sinne – ist das Genre, das sich die viktorianische Ära schnappt, ihr die Dampfmaschine auf Steroide verabreicht und dann fragt: „Was wäre, wenn technologischer Fortschritt einen anderen Weg genommen hätte?"

Konkret:

Was, wenn Dampfkraft und mechanische Ingenieurskunst nie von Elektrizität und Verbrennungsmotoren abgelöst wurden, sondern stattdessen zu absurd-eleganten Höhen entwickelt worden wären?

Luftschiffe durchpflügen den Himmel, Automaten bevölkern die Straßen, und irgendein größenwahnsinniger Erfinder hat gerade eine dampfbetriebene Zeitmaschine aus Messing und Kupfer zusammengeschraubt. Aber – und hier wird's interessant – guter Steampunk ist mehr als nur „coole Maschinen in alten Zeiten".

Die Genre-Klassiker (und ja, auch die modernen Werke, die ihr Handwerk verstehen) nehmen die sozialen Strukturen dieser Ära ernst. Klassenkampf. Kolonialismus. Die Stellung der Frau. Kinderarbeit in Fabriken. Die industrielle Revolution, die Menschen zu Zahnrädern im Getriebe degradiert. Steampunk bietet die perfekte Bühne, um zu fragen: Ist technologischer Fortschritt automatisch menschlicher Fortschritt? Wer profitiert von Innovation – und wer bezahlt den Preis?

Das Genre lebt von diesem Spannungsfeld: Viktorianischer Gentleman-Charme trifft auf dreckige Industrialisierung. Abenteuerromantik auf soziale Ungerechtigkeit. Erfindungsgeist auf gesellschaftliche Zwänge.

Die Ästhetik ist wichtig, klar – Messing, Leder, Dampf, all das visuelle Zeug. Aber sie sollte immer der Geschichte dienen, nicht umgekehrt.

Wenn deine Steampunk-Welt nur Kulisse ist und keine thematische Tiefe hat, dann hast du im Grunde Fantasy mit ein paar Extras geschrieben. Und wenn jemand meint, Steampunk sei „tot", „überholt" oder „nur noch Ästhetik ohne Substanz": Fuck that noise. Solange es interessante Fragen zu stellen und komplexe Geschichten zu erzählen gibt, ist das Genre kerngesund. Es ist nur – wie so oft – eine Frage, ob Autoren bereit sind, mehr zu tun als Zahnräder auf ein Cover zu klatschen.

Steampunk ist Subversion im Gehrock. Rebellion mit Zylinderhut. Gesellschaftskritik mit Dampfdruck. Oder eben... Zahnräder. Eure Wahl.

Über den Autor

Simon van de Loo

Simon (geboren 1991) ist Ex-Altenpfleger, heute Mediengestalter & Webdev – und der Kopf hinter dem Steampunk-/Fantasy-Universum MartyriaPlotter mit „Tolkien-Taktik“: erst Welten & Plots bis ins Detail bauen, dann schreiben. 
Sein Hauptinteresse gilt dystopischen Settings und Themensetzungen innerhalb der Fantasy, Science Fiction und insbesondere der diversen Punk-Genres.

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