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Blog-HowTo

#1 – Wie beginnt man sein erstes Buch?

  • Blog-Tags: Schreibtipps
  • Verlinkte Buchtags: Martyria
  • Blog-Einleitung: Du willst ein Buch schreiben, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Keine Sorge – es geht nicht um Perfektion oder endlosen Weltenbau, sondern um den Tritt in den eigenen Allerwertesten, endlich loszuschreiben. Von fragwürdigen Anfängen über die ersten Figurenideen bis hin zu regelmäßiger Schreibpraxis: Dieser Artikel zeigt, wie du den ersten Schritt machst, dein Buch fertig bekommst und dabei den Spaß am Schreiben nicht verlierst.
  • Blog-Autor: Simon van de Loo

Ich möchte ein Buch schreiben – aber wie fange ich überhaupt an?

Der Wunsch, ein Buch zu schreiben, ist schnell und ziemlich unnachgiebig. Meist schleicht er sich ein mit einem Satz wie: „Ich hätte da so eine Idee …“ Und dann passiert erst mal: Nichts! Oder viel zu viel.

Notizen, Fragmente, drei angefangene Kapitel, ein Weltenbau-Dokument mit 40 Seiten, aber kein fertiger Text. Willkommen im Club. Die wichtigste Erkenntnis gleich zu Beginn: Ein Buch entsteht nicht nur aus Inspiration. Es entsteht aus Arbeit. Inspiration ist der Funke, aber Schreiben ist das Brennholz. 

  1. Versuche nicht, den perfekten Anfang zu finden.

    Der häufigste Fehler: Man will den perfekten ersten Satz schreiben. Den, der sofort literarische Unsterblichkeit verspricht. Ergebnis? Man schreibt gar nichts. Der Anfang darf erstmal zweckmäßig oder sogar schlecht sein. Wirklich. Er darf klischeehaft, holprig und übererklärt sein. Das ist keine Schwäche oder fehlendes Talent, sondern ein völlig normaler Arbeitsstand. Kein Leser wird jemals deinen ersten Entwurf sehen, aber jeder Leser wird merken, wenn du nie darüber hinausgekommen bist. Schreib los. Überarbeiten kommt später noch genug!

  2. Du brauchst keine Welt – du brauchst eine Geschichte.

    Viele angehende Autor:innen verlieren sich im Weltenbau. Karten, Götter, Magiesysteme, Stammbäume bis ins vierhundertsiebenundsiebzigste Zeitalter nach dem Fall des alten Urugnar'Theruks... aber keine Handlung. Frag dich stattdessen: Wer ist meine Hauptfigur? Was will sie? Was steht ihr im Weg? Was passiert, wenn sie scheitert? Wenn du diese vier Fragen halbwegs beantworten kannst, hast du genug, um anzufangen. Die Welt darf wachsen, während die Geschichte läuft. Schätze, nicht einmal Tolkien hat seinen Schreibskill an einem einzigen Montagmorgen perfektioniert. 

  3. Plotten oder Drauflosschreiben?

    Beides ist erlaubt. Es gibt keine „richtige“ Methode. Manche brauchen ein detailliertes Kapitel-Outline, andere entdecken die Geschichte beim Schreiben. Wieder andere (*hust* ich) können eigentlich erst performen, wenn das Worldbuilding in ausladenden Konzeptfiles festgenagelt, die Charaktere und Motivationen geklärt und der Rest reines Roleplay in der eigenen Lore ist. Alle Varianten funktionieren, solange du damit vorankommst. Wichtig ist nur eins:Wenn du beim Schreiben ständig feststeckst, brauchst du mehr Struktur. Wenn du dich vom Plan erdrückt fühlst, brauchst du mehr Freiheit. Plotkonzepte sind Werkzeuge, keine monotheistischen Religionen. 

  4. Schreib regelmäßig, aber zwing dich nicht zum King-Lifestyle.

    „Ich schreibe, wenn ich Zeit und Muse habe“ ist der sichere Weg zu einem unfertigen Buch. Besser eine von dir im Vorfeld angepeilte Menge an Wörtern pro Tag oder 3 feste Termine pro Woche. Ein realistisches Wochenziel. Regelmäßigkeit schlägt Motivation. Schreiben ist kein Sprint, sondern häufig eine erstaunlich lange, leicht frustrierende aber gleichermaßen auch befriedigende und positiv erschöpfende Wanderung. 

  5. Das erste Buch muss nicht perfekt sein – es muss fertig sein!

    Das ist die Hürde, die viele nicht schaffen. Ja, dein erstes Buch wird einige signifikante Probleme haben. Wahrscheinlich viele. Das ist normal. Ein unfertiges perfektes Buch bringt dich exakt nirgendwo hin. Ein fertiges unperfektes Buch bringt Erfahrung, Kontakte, Verbesserung. Und gerade die Erfahrung ist nicht ersetzbar. Man lernt Schreiben, indem man schreibt. Nicht, indem man davon träumt, wie gut man irgendwann schreiben möchte oder wie reich man durch die Netflix Serie dazu wird. Für das schnelle Geld ist das Leben als Autor ohnehin nicht wirklich geeignet (entgegen landläufiger Meinung).

  6. Schreib für Leser – aber zuerst für dich selbst.

    Markt, Trends, Genres: alles wichtig. Aber erst nachdem du weißt, was du erzählen willst. Ein Buch, das du selbst langweilig findest, wird auch niemand anderen begeistern. Schreib das Buch, das du selbst lesen wollen würdest. Optimieren, anpassen, positionieren kannst du später. Authentizität lässt sich nicht nachträglich einbauen.Ein Buch beginnt nicht mit Talent, einem Verlag oder einer genialen Idee. Es beginnt mit einer Entscheidung: Ich schreibe jetzt. Nicht morgen. Nicht „wenn alles passt“. Jetzt. Alles andere ist nur Aufschub mit besserem Marketing.